Protomartyr’s Worst Night Ever: Wenn ein Tourtag zum Albtraum wird

Auf Tour kann viel passieren. Jede Menge schöne Dinge, aber auch vieles, auf das man wohl eher verzichten kann.

Ein Erlebnis, an das sich das Postpunk-Quartett Protomartyr noch ganz genau erinnern kann, ist diese eine, verrückte Nacht in Winston-Salem, North Carolina während der Nordamerika-Tour. Todesängste, gestohlene Skateboards, ein zwielichtiges Motel und ein Haufen Segways: Protomartyr-Bassist Scott Davidson meint, „It was the most insane 24 hours we ever had.“

Die Ankunft

Allein die Anreise dauerte Stunden, da wir mitten in die hiesige Möbelmesse der Stadt hineingerieten. Als wir endlich im Hotel ankamen und unser Zimmer betraten, fanden wir kein Zimmer, sondern einen ziemlich versifften Raum vor, der locker als Tatort irgendeines Verbrechens hätte durchgehen können. Neben der Toilette befanden sich Spuren einer undefinierbaren Substanz, Aschenbecher quollen über und überall lag Abfall herum – es sah aus, als wären wir versehentlich im Zimmer eines anderen gelandet. Letzendlich entschieden wir uns, nicht im Motel zu bleiben und stattdessen nach der Show einfach im Van zu übernachten.

Post-Show Hang

Nach der Show konnten wir letztendlich doch bei einem Freund übernachten, in einer großen Lagerhalle, wo einfach alle auf dem Boden schliefen. Wir gingen am Abend noch in die Bar nebenan, um ein paar Drinks zu nehmen. Dort war ein ziemlich betrunkener Typ davon überzeugt, dass wir ihm das Skateboard gestohlen hatten. Er fing an, herumzubrüllen und wir mussten die Bar verlassen, um Schlimmeres zu verhindern.

Post-Post-Show Hang

Ziemlich spät und ziemlich betrunken kehrten wir zum Lagerhaus zurück. Ich merkte schnell, dass ich dort aber nicht schlafen konnte, da Katzen herumliefen, gegen die ich allergisch bin. Also kehrte ich zum Van zurück, um die Nacht dort zu verbringen. Neben dem Van stand ein Typ, der mich fragte, ob das Auto mir gehöre. Ich sagte Ja und der Typ rastete aus und drohte, er würde die Leute umbringen, denen dieser Van gehörte. Er meinte, wir kämen aus Philadelphia und würden bloß Ärger in North Carolina suchen. Ich holte den Rest der Crew und erzählte ihnen vom Zwischenfall und dem verrückten Typen. Wir wollten die Situation entschärfen, doch er hatte einen spitzen Ast und schwang ihn wie ein Ninja herum. Letztendlich mussten wir die Cops rufen, doch bevor die kamen, holte die Freundin ihren verrückten Freund ab und auf einmal hatten wir mit 12 Polizisten zu tun.

„Schlafenszeit“

Letztendlich schlief ich in einem leeren Raum der Lagerhalle, doch gerade als ich mich hinlegen wollte, fingen die Lagerarbeiter mit ihrer Arbeit an. Sie liefen buchstäblich über mich drüber. Kreissägen liefen und ich hatte keine Ahnung, was da auf einmal vor sich ging. Ich stand auf und rief meine Freunde an.

Der Morgen danach

Am nächsten Morgen mussten wir eine Show in einem Plattenladen um die Ecke spielen. Ein Konzert vor ungefähr 6 Leuten. Der Besitzer des Ladens hatte uns in der Nacht zuvor angesprochen und zu der Show überredet, als wir alle betrunken waren. Es war schrecklich. Ich erinnere mich, dass während unseres Auftritts ungefähr 25 Leute auf Segways langsam am Shop vorbeirollten. Das fühlte sich für Winston-Salem irgendwie normal an – lauter Progressive Rock und Menschen auf Segways.

Die Lektion

Im Nachhinein glaube ich, war es eine der besten Nächte meines Lebens. Nichts funktionierte. Aber Sachen wie diese halten alles am Laufen, es macht die Dinge aufregend. Und die Show am Abend war großartig. Wenn einer von uns umgekommen wäre, wäre sie es nicht gewesen, aber so…

Die ganze Story von Protomartyr und ihrer schlimmsten Nacht gibt’s hier: https://lntv.com/en_us/article/protomartyrs-worst-night-ever

 

Joe Casey, Greg Ahee, Alex Leonard und Scott Davidson haben gerade ihr drittes Album ,The Agent Intellect‘ veröffentlicht und sind damit im November auf Europatour.

 

Protomartyr

Protomartyr

Das dritte und damit neueste Album von Protomartyr, ,The Agent Intellect‘, erschien am 9.Oktober dieses Jahres. Es zeigt die Band solider und überzeugender als je zuvor, ihre Songs behalten aber die emotionale, melancholische Art und den Tiefgang, die sie schon immer besaßen. Die Themen schwanken zwischen  Persönlichen und dem Großen und Ganzen und machen aus dem Album vor allem auch etwas, das die Menschen anspricht und berührt.

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